Deutsch Französische Freundschaft

Dass Deutschland und Frankreich ein so gutes bilaterales Verhältnis zueinander haben wie heute ist in der gemeinsamen Geschichte beider Länder längst nicht immer so gewesen. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat es eine Annäherung zwischen beiden Staaten gegeben, nachdem zuvor bereits im Deutsch-Französischen Krieg von 1870-1871, aber auch in den darauf folgenden beiden Weltkriegen die Beziehungen von einer tiefen Feindschaft gekennzeichnet waren, die in den kriegerischen Auseinandersetzungen viele Tote und unendliches Leid auf beiden Seiten gekostet hat.

Um so begrüßenswerter waren daher die Gedanken der europäischen Integration, die in den vertrauensbildenden Maßnahmen mit Beginn der fünfziger Jahre und dem daraus resultierenden Élysée-Vertrag in den sechziger Jahren ihren Niederschlag fanden. Mit diesem Vertrag wurden die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern quasi rechtsgültig verbindlich festgeschrieben, unter anderem indem der Vertrag einen regelmäßigen Austausch beider Regierungen vorsieht.

Insbesondere den Staats- und Regierungschefs kommt in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle zu, denn seitdem Konrad Adenauer und Charles de Gaulle mit gutem Beispiel voran gegangen sind, haben es ihnen viele Nachfolger gleich getan und so genannte 'Paare' mit ihrem jeweiligen Regierungspendant im Nachbarland gebildet, die die Kooperation auf den unterschiedlichsten Ebenen beider Länder persönlich vorangetrieben haben. Besonders ist hier das Engagement von Willy Brand und Giscard d'Estain hervorzuheben, die weit entfernt von einer formalen Zusammenarbeit herzliche zwischenmenschliche Beziehungen untereinander pflegten und so auf europäischer Ebene sowohl die Bildung des Europäischen Währungssystems wie auch die Direktwahl des Europäischen Parlaments entsprechend stark forcieren konnten.

Indem Helmut Kohl und Francois Mitterand in den Achtziger Jahren dem Schlachtfeld von Verdun einen gemeinsamen Besuch abstatteten wurde symbolisch die Aussöhnung vollzogen. Kohl und Mitterrand waren auch die treibenden Kräfte für die Entstehung des europäischen Binnenmarktes und die Gründung eines gemeinsamen Sicherheits-, Verteidigungs-, Wirtschafts- und Finanzrates. Unter Gerhard Schröder und Jacques Chirac fanden alle sechs Wochen informelle Austauschtreffen statt. Das gegenseitige Vertrauen war sogar so groß, dass sich Schröder von Chirac einmal bei einer Sitzung des Europarates vertreten lassen hat. Heute gilt es das Begonnene aktiv weiter fortzuführen, um das Zusammenwachsen der Europäischen Union nicht nur zu einer starken Wirtschaftsmacht sondern auch einer handlungsfähigen politischen Kraft im internationalen Gefüge zu erreichen.